Meistergoalie als Hoffnungsträger
Das erste Bully rückt näher: Am 15. September startet die National League in ihre neue Saison. Der EHC Kloten, der EHC Biel und die SCL Tigers sind drei Teams, die auf die Top Ten schielen, aber auch den Blick in den Rückspiegel nicht vergessen sollten.
Seit dem Aufstieg in die National League 2022 hat Kloten einmal die Playoffs erreicht. Das war in der Saison 2024/25 unter dem Finnen Lauri Marjamäki, als im Viertelfinal die ZSC Lions aber zu stark waren. Marjamäki ist nun weitergezogen und versucht sich in Zug, stattdessen steht bei den Zürchern Michael Liniger an der Bande, der in der letzten Saison in der Zentralschweiz entlassen worden war. Liniger stürmte von 2007 bis 2016 für Kloten und arbeitet nun seit bald zehn Jahren an seiner Trainerkarriere. Er überzeugt mit Gewissenhaftigkeit und seriöser Arbeit und kennt den Klub. Allerdings muss er nun nach seinem missglückten Abenteuer als EVZ-Headcoach zeigen, dass er als Cheftrainer im Profihockey bestehen kann.
Zuzutrauen ist es Liniger definitiv, zumal er in seinem Team mit Reto Berra einen grossen Rückhalt hat. Berra wird im kommenden Januar 40 Jahre alt und befindet sich im Spätherbst seiner Karriere. Wozu er aber nach wie vor fähig ist, zeigte er in der letzten Saison, als er das Fundament für den Gipfelsturm von Gottéron war und die Freiburger zum ersten Meistertitel in der Klubgeschichte hexte. Dass er als Playoff-MVP ausgezeichnet wurde, war der verdiente Lohn. Nun will er nach seiner Heimkehr in die Region Bülach für die Klotener glänzen, die in seiner Kindheit sein bevorzugter Klub waren.
Doch auch bei den Feldspielern ist Qualität vorhanden. Die Zürcher verfügen zwar nicht über die finanziellen Mittel, um Topstars anzulocken, sind aber gerade bei den Imports gut aufgestellt, auch wenn sich der Kanadier Brandon Gignac in der Vorbereitung verletzte und mehrere Wochen ausfällt. Der Schwede Max Lindroth hat letzte Saison gezeigt, dass in ihm viel Qualität steckt. Sein Landsmann Simon Johansson ist aus Finnland nach Zürich gekommen, nachdem er in der Liiga mit dem «Pekka Rautakallio Award» für den besten Verteidiger ausgezeichnet wurde.
Stürmer Pontus Åberg war in den letzten beiden Saisons teilweise bei den Klotenern und stürmte sonst auch für die Lakers und die ZSC Lions. Nun hat er einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Und auch Arttu Ruotsalainen ist ein Rückkehrer. Der Finne kam in der Saison 2022/23 in Kloten auf 43 Skorerpunkte, spielte danach bei Lugano und Frölunda, ehe er nun wieder zu den Fliegern wechselte. Und auch Petteri Puhakka hat Potenzial, muss dies aber in seinem zweiten Jahr bei Kloten häufiger ausschöpfen als in der vergangenen Saison, als er in 49 Spielen 24 Skorerpunkte totalisierte.
Im Team der Zürcher steckt Qualität und speziell Meistergoalie Reto Berra nährt die Hoffnung, dass zumindest die Play-In-Qualifikation gelingt. Das ist zweifellos möglich – doch die Zürcher tun wohl gut daran, auch die hinteren Plätze im Rückspiegel zu behalten. Dies vor allem dann, wenn sich neben Gignac während der Saison noch weitere Schlüsselspieler verletzen sollten.
Dubé und der Nachwuchs
Beim EHC Biel läuft seit dem Erreichen des Playoff-Finals 2023 nicht mehr viel zusammen. Damals war noch Antti Törmänen der Headcoach, seither standen auch Petri Matikainen, interimistisch Sportchef Martin Steinegger, dann Martin Filander und mittlerweile Christian Dubé an der Bande. Zu mehr als den Rängen 9, 10 und 11 nach der Regular Season reichte es aber nicht. Hoffnung macht ein Blick in den Nachwuchs – in der letzten Saison gewann die U21-Elit der Seeländer den Meistertitel.
Zu den Talenten im Team gehören etwa Verteidiger Niklas Blessing (20), der sich aber im Prospect Camp der Nati einen Kreuzbandriss zuzog und lange ausfällt; Stürmer Jonah Neuenschwander (17), der gute Chancen hat, im nächsten Jahr der erste Schweizer NHL-Erstrundendraft seit Lian Bichsel zu werden und der mit einer Grösse von 1,91 Metern und 84 Kilogramm auch die physischen Voraussetzungen für eine grosse Karriere mitbringt; und last but not least Mark Sever, ein anderer Stürmer, der ebenfalls erst 21 Jahre jung ist und einst Kloten-Junior war. Zudem sorgen gestandene Spieler wie Gaëtan Haas (34), Fabio Hofer (35) oder auch Robin Grossmann (39) für Erfahrung und Routine.
Gespannt sein darf man, wie Trainer Christian Dubé mit der Nachwuchsförderung umgeht, nachdem er diesbezüglich gerade bei Gottéron einige Probleme hatte. Stattdessen setzt er gerade in heissen Momenten auf seine besten Kräfte und presst sie gnadenlos aus. Es ist ein Mittel, das in die Play-Ins führen kann – aber auch in die vorzeitigen Ferien oder ins Playout.
Immerhin kann Dubé aber auch auf gestandene Spieler setzen. Etwa Goalie Harri Säteri, der in der letzten Saison aber ungewohnte Schwächen zeigte. Dazu kommt Lias Andersson, der beste Stürmer im Team, der mit etwas Glück und ohne Verletzungen die 50-Punkte-Marke knacken könnte. Dann natürlich auch der Kanadier Jeff Skinner, der es in 16 Jahren auf 1115 NHL-Spiele (714 Punkte) brachte und für Spektakel sorgen wird. Kluge Transfers sind auch der in Bern ausgemusterte Joël Vermin, der langjährige Ambrì-Stürmer Dominic Zwerger sowie der frühere ZSC-Verteidiger Dario Trutmann, die zusätzliche Erfahrung einbringen. Gleichzeitig muss sich zeigen, wie die Abgänge von Offensivverteidiger Rodwin Dionicio (zum SCB) und Johnny Kneubühler (zu Servette) kompensiert werden können. Mit ihnen verlieren die Seeländer immerhin 43 Skorerpunkte.
Die Bieler stehen wie erwähnt vor einer spannenden Saison: Die Top Ten sind ebenso möglich wie ein Rang zwischen 11 und 14.
Ein schwedisches Duo für die Tigers
Die SCL Tigers schnupperten letzte Saison lange Zeit an der Play-In-Qualifikation, ehe sie am Ende der Regular Season sechs Niederlagen in Folge kassierten, auf Rang 11 abstürzten und vorzeitig in die Ferien mussten. Grundsätzlich scheinen die Emmentaler aber dazu in der Lage zu sein, zumindest jene Play-Ins zu erreichen, auch wenn sie mit Dario Rohrbach den besten Schweizer Stürmer an den Kantonsrivalen SC Bern verloren. Trainer Thierry Paterlini leistet solide Arbeit und hat ein stabiles Team zusammen. Allerdings wäre es an der Zeit, wieder einmal den Sprung in die Playoffs zu schaffen. Eine Playoff-Qualifikation in vier Jahren und dazu dreimal das Verpassen der Play-Ins – seine Bilanz hat definitiv Verbesserungspotenzial.
Im Tor stehen wie letzte Saison Luca Boltshauser und Robin Meyer bereit, dazu kommt der talentierte Franzose Martin Neckar. In der Verteidigung sind die früheren ZSC-Backs Phil Baltisberger und Santtu Kinnunen eine Bank, dasselbe gilt auch für den starken Finnen Juuso Riikola. Dahinter folgen mehrere Talente, etwa Nik Lehmann (18), Tim Mathys (21), Gian Meier (20), Noah Meier (23) und Arno Nussbaumer (23). Man darf gespannt sein, ob ihnen der nächste Schritt auf dem Weg zu Leistungsträgern gelingt. Im Sturm wurde mit Dario Rohrbach wie erwähnt der beste Schweizer an den SCB verloren, sodass die Last des Toreschiessens vor allem auf den Imports liegt.
Gespannt sein darf man da auf die beiden neuen Schweden Jonathan Dahlén und Emil Pettersson. Dahlén, der Sohn des langjährigen NHL-Stars Ulf Dahlén, war schon zweimal in seiner Karriere Torschützenkönig und kam auch auf 62 NHL-Spiele. Emil Pettersson ist der ältere Bruder von NHL-Ass Elias Pettersson (Vancouver), der pro Saison 11,6 Millionen Dollar kassiert. Und Dahlén und Pettersson haben schon gezeigt, dass sie im selben Team harmonieren – letzte Saison bei Timrå kamen sie auf 55 (Dahlén) respektive 46 Skorerpunkte. Zeigen sie sich auch im Emmental so produktiv, ist die vierte Playoff-Qualifikation in der Klubgeschichte – wenn auch mit dem Umweg übers Play-In – durchaus realistisch.