Gimme 5: Die fünf grössten Verlierer der SL-Saison 2025/2026
Seit vergangenen Sonntag ist sie Geschichte: Die Super-League-Saison 2025/2026, die mit dem Meistertitel des FC Thun, dem Cupsieg für den FC St. Gallen und dem Abstieg des FC Winterthur endete. Ist der direkte Absteiger auch Teil unserer „Verliererliste“ der abgelaufenen Saison? Wer mit „ja“ antwortet, liegt zumindest nicht falsch.
Alain Sutter, Leuchtturm
Gross war sie, die Hoffnung auf den langerersehnten Turnaround bei den Grasshoppers Anfang Mai 2025. Der Grund: Alain Sutter, 62-facher Nationalspieler, vierfacher Titelträger mit den Hoppers (Meister 90 und 91, Cupsieger 89 und 90) und zuletzt erfolgreicher Sportchef des FC St. Gallen, kehrte nach 32-jähriger Absenz zum Grasshopper Club Zürich zurück. Gerade rechtzeitig, um die Hoppers als Sportchef vor dem drohenden Abstieg zu retten und den Klub im Anschluss wieder in vielversprechendere Gewässer zu führen. Ein Jahr später wissen wir: Es hat nicht geklappt und daran hatte der ehemalige Bayern-Akteur – der für GC eigentlich die Rolle eines Leuchtturms ausfüllen wollte - entscheidenden Anteil. Weil er Trainer Gerald Scheiblehner im März vom einen auf den anderen Tag das Vertrauen entzog. Weil er es im vergangenen Sommer verpasste, einen nicht nur jungen und kostengünstigen Kader zusammenzustellen, sondern auch einen mit genügend Leadership und Breite. Weil seine Kurskorrektur im Winter (sechs Neuzugänge) nur bedingt von Erfolg gekrönt war und weil er vor allem in der Wahl von Scheiblehners Nachfolger Gernot Messner (GC U21) maximal daneben lag. Schliesslich rettete Sutter und GC nur eine Personalie vor dem maximalen Absturz: Peter Zeidler, sein ehemaliger Weggefährte aus St. Galler Zeiten, an den sich Sutter Ende April in höchster Not erinnerte. Knappe dreieinhalb Wochen später war der Klassenerhalt perfekt, ebenso erkämpft wie erduselt und auf den allerletzten Drücker. Daran, dass Sutter mit Blick auf die kommende Saison fast alles besser machen muss, ändert das freilich gar nichts.
FC Basel, titelloser Gigant
From First to Fifth: So schnell und unwiderstehlich wie sich der FC Basel im Frühjahr 2025 zum Meister und Cupsieger spielte, so rasch ging es in diesem Jahr wieder zurück in jene tabellarischen Gefilde, in denen der FCB in der jüngeren Vergangenheit viel zu oft Zeit verbrachte. Dabei begann der Abstieg noch im Aufstieg, als Unstimmigkeiten über die Zukunft von Trainer Fabio Celestini im Frühjahr 2025 dazu führten, dass sich jener noch vor Vollendung seiner Double-Mission damit beschäftige, die Bebbi vor Vertragsende zu verlassen. Aber auch die zweite grosse Figur des Basler Meisterfrühlings, Xherdan Shaqiri, konnte seine Impulse in der vergangenen Spielzeit nicht mehr in der gleichen Kadenz setzen. Dass es Shaq nicht wie gewünscht lief, wurde u.a. vom Penaltypunkt ersichtlich, von dem er nicht weniger als sechs Mal scheiterte. Tore, die Celestini-Nachfolger Ludovic Magnin genauso gut hätte gebrauchen können, wie jene, die Sommer-Neuzugang Moritz Broschinksi nicht schoss. Als Magnin schliesslich Ende Januar entlassen wurde, hätte sich die Klubführung zudem keinen schlechteren Zeitpunkt dafür aussuchen können, als die Tage nach dem emotionalen 4:3-Auswärtserfolg beim FCZ. Nachfolger Stephan Lichtsteiner, überraschenderweise direkt mit einem Dreieinhalbjahresvertrag ausgestattet, gelang es jedenfalls nie mehr, denn FCB in die Spur zu bringen. Im Gegenteil. Mit seinem auf mehreren Ebenen missglückten Debüt in der Super League fügte er sich nahtlos in eine durch und durch miserable Basler Saison ein. Zumindest die Konkurrenz aus Thun, St. Gallen, Lugano und Sion dürfte das gefreut haben.
Die Winterthurer Defensive, zu 100% Prozent
100 Gegentore oder 2,63 Gegentreffer pro Match, verteilt auf 38 Spieltage: So lautet die Schreckensbilanz der Winterthurer Defensive, der schwächsten Abwehr in der Geschichte der Super League. Nie zuvor hat ein Klub der Schweizer Beletage so viele Tore in einer einzigen Spielzeit zugelassen, welche für den FCW nach vierjähriger Ligazugehörigkeit folgerichtig mit dem Abstieg endete. Nur 23 Punkte konnten die Eulachstädter mit ihrem «Abwehrbollwerk» aus Keeper Stefanos Kapino, Captain Sandro Arnold und den Verteidigerkollegen Loic Lüthi, Tibault Citherlet, Mirlind Kryeziu, Lukas Mühl, Basil Stillhart, Rodri Smith, Souleymane Diaby, Silvan Sidler, Dario Ulrich und Ledjan Sahitaj in der abgelaufenen Saison erspielen, auch das ein historischer Tiefstwert. Und dabei spielte es auch nur marginal eine Rolle, ob an der Seitenlinie jetzt Uli Forte (28 Gegentore in neun Spielen) oder Patrick Rahmen (72 Gegentore in 29 Spielen) versuchten, dem Winterthurer Panikorchester Ordnung, Struktur und Stabilität einzuimpfen. Am Ende landete der Ball trotzdem viel zu regelmässig im eigenen Netz. Ganz von der Kritik ausnehme sollte man aber auch die FCW-Offensivabteilung nicht. Auch sie war nämlich die Schwächste unter den 12 Super-League-Formationen und durfte in 38 Runden bloss 44 Mal jubeln. Kein Wunder, klappte es hinten nicht, wenn auch der Angriff alles andere als zur «besten Verteidigung» taugt.
Neue Trainer, nicht Namens Peter Zeidler
Sie heissen Gerardo Seoane (u.a. ex-Leverkusen und ex-Gladbach), Stephan Lichtsteiner (ehemaliger Nati-Captain), Jocelyn Gourvennec (u.a. ex-Nantes und ex-Lille), Denis Hediger (241 SL-Spiele), Patrick Rahmen (u.a. ex-Basel und ex-YB), Gerald Messner (GC U21), Migjen Basha (ehem. Nationalspieler Albaniens) oder Markus Neumayr (langjähriger SL-Spieler). Ihnen allen gemeinsam: Irgendwann im Verlauf der abgelaufenen Super-League-Saison wurden sie zum Cheftrainer ernannt – und schlossen in dieser Rolle schlechter oder nur unbedeutend besser ab, als der geschasste Vorgänger. Die eindeutigen Zahlen hinter dieser Aussage: entlassene Trainer 0,93 Punkte pro Partie, neu eingestellte Übungsleiter 1,04 Punkte pro Partie, eine Bilanz, mit der grundsätzlich jeder Verein direkten Kurs in Richtung Abstiegszone nimmt. Dass es auch anders geht, zeigten einige der hier kritisierten Trainer zumindest über einen kurzen Zeitraum, holten Seoane (4/8), Gourvennec (15/28) und sogar Hediger (5/11) in ihrer punktemässig besten Phase im Schnitt doch fast zwei Punkte pro Spiel. Eine Bilanz, die ihnen nächste Saison einen Platz unter den Gewinnern einbringen könnte, vorausgesetzt, sie haben das Glück, ab Juli noch einmal eine Chance in der Super League zu erhalten.
YB, teurer Spielverderber
Teuerster Kader, teuerster Trainer und am Ende der teuerste sechste Platz der Super-League-Geschichte. Gespickt mit einem 2:6 gegen GC, einem 0:1 beim FC Aarau (Cup) oder einem 0:5 bei Lausanne-Sport. Und das trotz eines erneuten Trainerwechsels zu Halloween, den beiden besten Torschützen der Liga und der viertlöchrigsten Defensive der Liga. Aber auch ohne jenes viel kritisierte „Bollwerk“ hätten die Young Boys in dieser Spielzeit ganz einfach mehr erreichen müssen als die knappe Qualifikation für die Championship Group, die 2. Runde im Cup und ein durchaus vermeidbares Ausscheiden in der Gruppenphase der Europa League. Taten sie aber nicht, was mit Blick auf die kommende Spielzeit eine grosse Frage in den Raum stellt: Was genau muss im Hinblick auf den mittlerweile zweieinhalb Jahre anhaltenden Abwärtstrend angepasst werden, um endlich eine Trendwende herbeizuführen? Die sportliche Führung um Christoph Spycher, Matthieu Beda und Trainer Gerardo Seoane ist gefordert, hier in den kommenden zwei Monaten Antworten zu finden. Ansonsten droht bereits im Frühherbst die nächste grosse Berner Krise, die höchstwahrscheinlich das nächste Köpferollen mit sich bringen würde.