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Marokko will Revanche – Frankreich den Halbfinal

Andy

Am Donnerstag ermitteln Frankreich und Marokko den ersten Halbfinalisten dieser Weltmeisterschaft. Es ist ein Duell mit Brisanz – und eines, bei dem Frankreich auf der Hut sein muss.

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Achraf Hakimi will mit Marokko weiter jubeln und Frankreich aus dem Turnier werfen. © KEYSTONE / EPA/SAM WASSON

Die beiden Länder sind eng miteinander verbunden. Nicht nur, weil sie geografisch relativ nahe beieinander liegen, sondern in erster Linie auch geschichtlich. Marokko war von 1912 bis 1956 französisches Protektorat, und diese Kolonialzeit prägt Politik, Sprache, Verwaltung und Kultur bis heute. In Frankreich lebt eine sehr grosse marokkanische Community, gemäss Schätzungen sind es 1,2 bis 1,6 Millionen Menschen mit marokkanischer Herkunft. Viele Familien haben Verbindungen in beide Länder; deshalb ist ein Spiel zwischen Frankreich und Marokko für viele auch eine Frage von Herkunft und Identität.

Und auch bei den Fussballern gibt es Berührungspunkte. Marokkos Captain Achraf Hakimi steht bei Paris Saint-Germain unter Vertrag und gewann mit dem Starensemble die Champions League 2025 und 2026. Mittelfeldspieler Ayyoub Bouaddi, 18 Jahre jung, ein Versprechen für die Zukunft und doch schon auf einen Marktwert von 50 Millionen Euro geschätzt, hat den Durchbruch bei Lille geschafft und wird nun mit Real Madrid in Verbindung gebracht. Und auch andere verdienen ihre Brötchen aktuell in Frankreich und werden besonders motiviert sein.

Die Klasse der Franzosen

Natürlich verfügt Frankreich mit den so begnadeten Superstars wie Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé, Michael Olise und Désiré Doué über immense Qualität und braucht keinen Gegner auf dieser Welt zu fürchten. Aber zu einem Selbstläufer dürfte dieser Viertelfinal dennoch nicht werden. Denn Marokko ist kein Überraschungsteam mehr, der Halbfinaleinzug an der WM 2022 war kein Zufall. Nun steht Marokko zum zweiten Mal in Folge im WM-Viertelfinal – als erstes afrikanisches Team überhaupt. Das zeigt, dass sich die Mannschaft nachhaltig fussballerisch entwickelt hat.

Das Remis zum WM-Start gegen Brasilien und später die Siege in den K.o.-Duellen gegen die Niederlande und Kanada zeugen vom Potenzial, ebenso die Tatsache, dass die acht Spiele in der WM-Qualifikation verlustpunktlos über die Bühne gebracht wurden. Das Team von Trainer Mohamed Ouahbi ist taktisch diszipliniert, verteidigt kompakt, verschiebt hervorragend und lässt dem Gegner nur wenig Raum. Gleichzeitig schalten die Marokkaner nach Ballgewinnen blitzschnell um und könnten so auch den Franzosen Probleme bereiten, zumal «Les Bleus» bislang nicht restlos überzeugten. Und Marokko verfügt mit Spielern wie Achraf Hakimi (PSG), Brahim Diaz (Real Madrid), den Youngsters Neil El Aynaoui (AS Rom) und Bilal El Khannouss vom VfB Stuttgart über Akteure, die auch einen Weltklasse-Gegner fordern können. Bitter ist aber, dass Super-Offensivmann Ismael Saibari, der gegen Kanada nach 22 Minuten verletzt ausgewechselt werden musste, keine Wunderheilung erlebt hat und deshalb ausfallen wird.

Der Ärger über den Referee

Für einen zusätzlichen Motivationsschub dürfte aber so oder so die Erinnerung an den WM-Halbfinal vor vier Jahren sorgen. Damals fühlten sich viele Marokkaner durch einige Schiedsrichterentscheide benachteiligt und wollen nun natürlich Revanche für diese 0:2-Niederlage.

Gespannt sein darf man auch, wie sich die Franzosen verhalten, wenn ihnen kein frühes Tor fällt, der Gegner tief steht und über schnelle Gegenstösse Nadelstiche setzt. Wird das Team von Didier Deschamps dann vielleicht nervös und lässt sich übertölpeln?

Marokko ist zwar der klare Aussenseiter, aber keineswegs chancenlos. Dies vor allem dann, wenn es gelingt, lange die Null zu halten, den Gegner zu nerven – und dann eiskalt zuzuschlagen, wenn sich die Chance bietet.

 

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