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Oh, Embolo: Fünf Erkenntnisse nach dem Out vs. Argentinien

Patrick

Aus, Schluss, Vorbei: Mit einem 1:3 gegen Titelverteidiger Argentinien schied die Schweizer Nationalmannschaft heute am frühen Morgen aus der FIFA WM 2026 aus. In einer Art und Weise, die so mit Bestimmtheit niemand kommen sah und die trotzdem hätte vermieden werden können. Unsere Erkenntnisse nach dem letzten Schweizer WM-Spiel für mindestens vier Jahre.

Keystone_AP Ed Zurga_ Ein Argentinischer Kunstschütze, jubelnde Teamkollegen und geschlagene Schweizer_Julian Alvarez und arg bejublen das entscheid nach Julian Alvarez
Ein argentinischer Kunstschütze, jubelnde Teamkollegen und geschlagene Schweizer: Julian Alvarez (Bildmitte) und Argentinien jublen über das 2:1 vs. die Schweiz © Keystone / AP / Ed Zurga

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Mit zwei Toren und zwei Assists liest sich die abschliessende WM-Bilanz von Nati-Stürmer Breel Embolo ganz in Ordnung. Zumindest auf dem Papier, denn auf dem Platz trat der Basler nicht ganz so dominant in Erscheinung, wie allgemein erhofft. Und vor allem: In weltweiter Erinnerung bleibt Embolo für jene Szene, die der Partie in Kansas City heute früh ihre entscheidende Wendung gab. Knapp 69 Minuten waren da nämlich gespielt, als sich der Rennes-Legionär in der Nähe der rechten Seitenlinie in einen Zweikampf mit Argentiniens Leandro Paredes begab, fiel und dabei eine Schwalbe produzierte, die der VAR zwar erst im Nachhinein, dafür aber umso eindeutiger entlarvte. Die Folge: Gelb-Rot für den 29-Jährigen und damit das Ende jener Schweizer Hochphase nach der Pause, die eben noch (67.) den 1:1-Ausgleich durch Dan Ndoye hervorgebracht hatte. Zwei Minuten später sah die Schweizer Welt komplett anders aus. Auch, weil Breel Embolo im falschen Moment und am komplett falschen Ort eine komplett falsche Entscheidung traf.

 

Hätte, hätte, Fahrradkette

Es hätte sein Spiel werden können. Das Spiel, mit dem sich Keeper Gregor Kobel vier Tage nach dem gewonnen Elfmeterschiessen gegen Kolumbien endgültig aus dem Schatten Yann Sommers hätte spielen können. Denn schliesslich tat der 1,95m-Hühne insbesondere nach der roten Karte vs. Embolo alles, um «seine» Schweiz im Spiel zu halten. Gegen Lionel Messi in der 85. Spielminute. Reflexstark gegen Lautaro Martinez nach 90. + 8. Gegen Thiago Almada (93.) und abermals Messi (111.) in der Verlängerung. Und sogar noch einmal (vs. Almada), unmittelbar vor dem abschliessenden 3:1 durch Lautaro Martinez (120. +1). Und doch war es am Ende eben nur fast Kobels Spiel - weil Julian Alvarez’ wunderbarer Schlenzer nach 112 Minuten sämtliche Schweizer WM-Träume beendete. Am BVB-Keeper lag das allerdings genauso wenig wie die Tatsache, dass er sich genauso wie alle Schweizer als Verlierer in die Nacht von Kansas City verabschieden musste.

 

Ausgerechnet

Sie sind Teil des (potentiell) magischen Offensiv-Trios um Captain Lionel Messi. Sie sind Leader und Top-Torschützen bei ihren Klubs (Atletico Madrid und Inter Mailand) und sie gehörten bis heute früh zu den grössten WM-Enttäuschungen im argentinischen WM-Team. Die Rede ist – natürlich - von den beiden Mittelstürmern Lautaro Martinez (Inter) und Julian Alvarez (Atleti), die vor der Partie gegen Schweiz zusammen genau ein WM-Tor (vs. Jordanien) erzielt hatten. Viel zu wenig für die beiden hochangesehenen Goalgetter (gemeinsamer Marktwert von 185 Mio. Euro), die das offensichtlich genauso sahen. Nicht weil sie das Offensivspiel der Albiceleste auf unwiderstehliche Art und Weise ankurbelten, sondern weil sie just in dem Moment, als Argentinien sie brauchte, zur Stelle waren. Insbesondere in der Form von Alvarez so wichtigem Geniestreich in der 112. Minute, aber auch durch Martinez’ 3:1 in der Nachspielzeit der zweiten Verlängerung, welches auch noch die letzten, vagen Schweizer Hoffnungen knickte. Und so erhalten die beiden Männer an Messis offensiver Seite am Mittwoch noch einmal eine Gelegenheit, ein wenig mehr aus dem Schatten ihres legendären Landsmannes zu treten. Für die Schweiz hätte es diese Opportunität allerdings nicht mehr wirklich gebraucht.

 

Keystone_AP_Ashley Landis_Eine Schwalbe diedie CH nicht vergessen -ebmoloi m vermeintlichen zweikampf
Eine Schwalbe, die die Schweiz wohl noch lange beschäftigen wird: Breel Embolo (in rot) im vermeintlichen Zweikampf mit Leandro Paredes (Keystone / AP / Ashley Landis)

Kein guter Look

Schade, schade, schade. So wenig hat gefehlt, und die Schweiz hätte am kommenden Mittwoch zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein WM-Halbfinale bestreiten können. Keine Schwalbe da, ein etwas mutigerer Auftritt dort und dieser frühe Sonntagmorgen im Juli 2026 hätte eine in der Tat historische Dimension annehmen können. Aber wir müssen auch ehrlich sein: Dass die Schweiz abermals hauchdünn an einem grossen Gegner – dem Titelverteidiger – gescheitert ist, hatte sie heute Nacht vor allem sich selbst zuzuschreiben. Weil sie sich im entscheidenden Moment einen völlig unnötigen Fehltritt erlaubte. Und weil sie bereits unmittelbar im Anschluss damit begann, auf das Elfmeterschiessen zu hoffen, anstatt bei Gelegenheit den Sieg zu suchen. Dazu passte, dass man nach dem 1:2 (112.) kaum noch über Wechselgelegenheiten verfügte, um mit zusätzlichen Offensivkräften den Ausgleich zu suchen. Die Schweiz – und nicht der Schiedsrichter – hatte sich mit dieser Wechseltaktik quasi selbst den Stecker gezogen. Dass der eine oder andere Schweizer Protagonist nach Spielschluss Mühe mit dieser Sichtweise bekundete, ist verständlich. Besser machte das alles aber trotzdem nicht.

 

128 Mal probiert….

…128 Mal ist nichts passiert. Getreu dem 80er Jahre Schlager-Hit der Klaus Lage Band, befassen wir uns zum Abschluss der Schweizer WM-Kampagne noch kurz mit dem mit Abstand grössten Versäumnis der Nati während ihrer Zeit in den USA und Kanada: Den Standards. 28 Eckbälle und exakt 100 Freistösse erspielte sich die Schweiz im Rahmen ihrer insgesamt sechs WM-Partien, keine einzige dieser Möglichkeiten wusste sie zu einem Treffer (oder nur schon zu einer reellen Torchance) umzuwandeln. Auch heute, in einer Partie, in der die Nati in Unterzahl enorm von einem stehenden Ball hätte profitieren können, klappte es in 16 Anläufen nie. Und für einmal ging die Gleichung insofern auch nicht auf, als dass man dem Gegner seinerseits einen erfolgreichen Standard nicht verwehren konnte. Alexis MacAllisters 0:1 nach zehn Spielminuten lenkte die Partie früh in für die Schweiz ungünstige Bahnen.

 

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