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Trotz Messi: Es ist Zeit für die Nati!

Andy

Am frühen Sonntagmorgen steigt für die Schweiz das Spiel der Spiele: Der WM-Viertelfinal gegen Titelverteidiger Argentinien und Superstar Lionel Messi. Trotz allen Respektes: Die Schweizer haben durchaus ihre Chance.

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Nationaltrainer Murat Yakin reitet mit der Nati auf der Erfolgswelle und fordert nun Titelverteidiger Argentinien. © KEYSTONE/Peter Klaunzer

Es gibt die Momente, in denen alles passt. Und wieso sollte die WM 2026 nicht dieses ganz spezielle Turnier sein, in dem Geschichte geschrieben wird und in dem sich Helden unsterblich machen? Mit dem Erreichen des Viertelfinals haben die Schweizer an dieser WM ihr grosses Ziel erreicht. Siege sind nun kein Muss mehr, sondern ein Plus, das kann befreiend wirken. Im Gegensatz dazu stehen die Argentinier unter grossem Druck. Ein Scheitern gegen die Schweizer wäre in der allgemeinen Wahrnehmung eine grosse Blamage.

Das Wiedersehen mit Messi

Auf Schweizer Seite ist die Vorfreude auf dieses Spiel gross. So sagte etwa Captain Granit Xhaka nach dem Einzug in die Viertelfinals: «Es muss ein grosses Privileg für uns sein, in der gleichen Ära zu spielen wie Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Sie sind zwei der grössten Spieler des Sports, seit ich lebe.» Der Leithammel der Schweizer misst sich zum dritten Mal in seiner Karriere mit Messi: 2012 verlor er mit der Schweiz ein Testspiel gegen Argentinien mit 1:3, wobei Messi für alle Treffer der Südamerikaner verantwortlich war. Und an der WM 2014 gab es im Achtelfinal diese unglückliche 0:1-Niederlage nach Verlängerung. «Wir haben sie damals fast gepackt», sagt Xhaka, der nun wie das gesamte Team bereit scheint, das bessere Ende für sich zu behalten.

Xhaka ist einer von sechs Spielern der aktuellen Nati, der schon mal gegen Messi gespielt hat. Manuel Akanji ist in der Champions League mit Dortmund auf den FC Barcelona getroffen, Nico Elvedi mit Mönchengladbach. Breel Embolo hat mit Monaco gegen Messis Paris Saint-Germain gespielt, Yvon Mvogo mit Lorient. Und Ricardo Rodriguez kennt Messi aus den gleichen Länderspielen wie Xhaka.

Für alle anderen wird es eine Premiere – und das bevorstehende Duell mit einem der weltbesten Kicker aller Zeiten sorgt natürlich teilweise auch für Ehrfurcht. «Dass ich einmal gegen Messi spielen werde, hätte ich als Junior nie gedacht«, sagt etwa Fabian Rieder. Und Zeki Amdouni teilt in den sozialen Medien mit: «Ich werde gegen Messi spielen. Ich schwöre, das wars. Ich kann mit dem Fussball aufhören.»

Der Respekt ist sicher berechtigt. Die Argentinier gehören zu den Titanen im Weltfussball. Ihr WM-Kader hat einen geschätzten Wert von 807 Millionen Euro, womit die Gauchos hinter Frankreich (1,52 Milliarden), England (1,36 Milliarden) und Spanien (1,22 Milliarden) die Nummer 4 der Viertelfinalisten sind, während die Nati mit 332 Millionen und Rang 8 schon fast eine Discount-Truppe sind.

Das Händchen von Murat Yakin

Und doch gibt es Aspekte, die aus Schweizer Sicht für Optimismus sorgen und einen trotz Superstar Lionel Messi sagen lassen: Es ist Zeit für die Nati! Da ist Trainer Murat Yakin, der scheinbar über ein goldenes Näschen und ein glückliches Händchen verfügt. Sein Matchplan geht bislang immer auf. Seine personellen Entscheide sorgen teilweise für Stirnrunzeln, doch am Ende liegt er immer richtig. Er ist mittlerweile der erfolgreichste Schweizer Nationaltrainer der Geschichte. Als erster führte er die Nati sowohl an einen EM- als auch an einen WM-Viertelfinal.

Weitere Argumente, die für einen Schweizer Coup sprechen, sind Goalie Gregor Kobel, der sich bislang noch keinen groben Patzer geleistet hat und dafür gegen Kolumbien zum Penaltyhelden wurde. Und die Innenverteidigung mit dem souveränen Nico Elvedi, der seinem Spitznamen «Eisvogel» alle Ehre macht und auch in heissen Situationen cool und abgebrüht wirkt. Und Manuel Akanji, der während des Spiels über ganz andere Qualitäten verfügt als im Penaltyschiessen.

Die eigentliche Verkörperung des Erfolgs und des selbstbewussten Auftretens der Nati ist Captain Granit Xhaka, der vorangeht und seine Kollegen mitreisst, anpeitscht und fordert. Unmittelbar nach dem Sieg gegen Kolumbien sagte er: «Der Hunger ist so gross wie noch nie. Wir haben unser Ziel Nummer 1 erreicht, aber wenn du im Viertelfinal stehst, willst du mehr.» Und das sollen nun die Argentinier zu spüren bekommen. Die Südamerikaner sind in der Summe der einzelnen Spieler wohl besser, aber die Nati überzeugt in diesen Tagen als Kollektiv. Zudem präsentieren sich Spieler wie Ruben Vargas oder Johan Manzambi in einer blendenden Verfassung, wobei Shootingstar Manzambi aufgrund seiner Knieprellung wohl passen muss. Doch auch die Ergänzungsspieler erfüllen ihre Rollen und sorgen für die Breite, die es braucht, um an der Spitze mitzuhalten. Und wer weiss, vielleicht gelingt ja noch mehr und zieht der grosse Underdog in den WM-Halbfinal ein.

 

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