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Analysen Eishockey

Topskorer Andrighetti, Hexenmeister Pasche und gefährdeter Marjamäki

Andy

Wer wird die positive Überraschung der neuen Eishockeysaison? Wer erlebt Monate zum Vergessen? Wer wird der Topskorer und wer der Hexenmeister? Wir stellen ein paar Thesen auf – und begründen sie.

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Die ZSC-Stürmer Sven Andrighetto (rechts) und Denis Malgin sind zwei Kandidaten für den Titel des Liga-Topskorers. © Postfinance / KEYSTONE / Claudio Thoma

Topfavorit ZSC Lions

Rang 4 in der Qualifikation und das Ausscheiden im Playoff-Halbfinal gegen den HC Davos entsprachen in der letzten Saison natürlich keineswegs den Anforderungen der ZSC Lions, die zuvor zweimal hintereinander Meister geworden waren. So zogen die Zürcher im Frühling die Notbremse. Coach Marco Bayer wurde gefeuert und durch Claude Julien ersetzt. Der 66-jährige Kanadier bringt eine Menge an Erfolgen und Erfahrung mit in die Swiss Life Arena. Er gewann den Stanley Cup, Olympia-Gold und den WM-Titel, stand in mehr als 1000 NHL-Spielen für die Montreal Canadiens, die New Jersey Devils und Boston Bruins als Headcoach an der Bande und war zuletzt bei den St. Louis Blues als Scout und Assistenztrainer.

Seine Verpflichtung ist ein deutliches Zeichen an die Spieler: Schlendrian und Nonchalance werden nicht geduldet, harte Arbeit ist gefragt – und der Titel muss her. So, wie das schon bei Bob Hartley und Marc Crawford der Fall war, die als Stanley Cup-Sieger nach Zürich kamen und den Meistertitel gewannen. Die grossen Ambitionen wurden auch auf dem Transfermarkt unterstrichen. Die Zürcher holten von Servette Tim Berni. Der Verteidiger ist ein wichtiges Element in der Defensive und soll in den kommenden Jahren für defensive Konstanz und Qualität sorgen. Aus Davos wurde Simon Knak nach Zürich gelotst. Er bringt Aggressivität und Schwung in den Zürcher Sturm und soll nun mit Sven Andrighetto und Denis Malgin die Paradelinie bilden. Und von den Rapperswil-Jona Lakers stiess der Schwede Malte Strömwall zu den Zürchern. Ein Sniper, der für mehr als 20 Tore gut ist. Damit ist klar: Die Lions sind die Topfavoriten auf den Sieg in der Qualifikation und auf den Meistertitel. Auch wenn andere Teams wie der HCD oder Servette nicht zu unterschätzen sind und ebenfalls über grosses Potenzial verfügen.

Krisenklub Ambrì-Piotta

Die Tessiner haben eine wilde letzte Saison hinter sich. Die Trennung von Präsident Filippo Lombardi, Sportchef Paolo Duca und Headcoach Luca Cereda erfolgte unter schon fast ohrenbetäubenden Nebengeräuschen. Gibt es nun einen Neuanfang mit Perspektiven? Wird alles gut? Kaum! Wie die NZZ zuletzt berichtete, kämpfen die Tessiner mit einem gigantischen Schuldenberg. Es wurde von Verbindlichkeiten in Höhe von 30 Millionen Franken und Liquiditätsproblemen berichtet. Die Lizenzkommission der National League soll die finanzielle Lage als besorgniserregend bezeichnet haben. Dazu kommen sportliche Sorgen. Der Klub aus der Leventina stand 2019 letztmals in den Playoffs und tritt nun mit dem jüngsten Team der Liga an. Dazu stellt sich die Frage, wie lange der fordernde Trainer Jussi Tapola und diese junge Mannschaft funktionieren. Die Gefahr ist real, dass der HCAP auf den letzten Tabellenplatz abstürzt und noch hinter dem HC Ajoie landet, der seit seinem Aufstieg in die National League 2021 ein Abonnement auf den letzten Platz in der Qualifikation hatte und dieses nur zu gerne abgeben würde.

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Der neue Headcoach Serge Aubin sorgt in Bern für Hoffnungen.

Aufsteiger SCB

Auch die Berner haben schwache Jahre hinter sich. Die letzte Playoff-Serie gewannen sie 2019, als sie unter Kari Jalonen letztmals Meister wurden. Nun erfolgte ein Neuanfang mit einem neuen CEO (Jürg Fuhrer statt Marc Lüthi), einem neuen Trainer (Serge Aubin) und einer neuen Philosophie. Die Mutzen wollen vermehrt auf junge, eigene Spieler setzen. Es ist ein Entscheid der Vernunft, der auch das Portemonnaie schont. Mit der Trennung von Ramon Untersander und Joël Vermin wurden Zeichen gesetzt, danach wurde auch Verteidiger Romain Loeffel im Tausch mit Connor Hughes an Lausanne abgegeben. Alte Verdienste in Ehren – es herrscht endlich wieder einmal eine Leistungskultur. Trainer Aubin hat in Berlin starke Arbeit geleistet und fünfmal den Meistertitel gewonnen. Das darf man nun in Bern kurzfristig nicht erwarten. Aber ein oder zwei Schritte vorwärts sind allemal möglich. Zumal die Berner mit Rodwin Dionicio einen bemerkenswerten Transfer getätigt haben. In Biel war der Offensivverteidiger nicht mehr erwünscht, nun lanciert er beim SCB, wo er schon als Junior spielte, seine Karriere neu. Er bringt wie auch der Amerikaner Sonny Milano ein frisches, unberechenbares und kreatives Element ins Spiel und kurbelt die Offensive an. Gleichzeitig haben die Berner mit Connor Hughes einen starken Schweizer Goalie und müssen keine Lizenz mehr für einen mittelmässigen Goalie-Import verschwenden. Kommt der SCB schnell auf Touren, scheint da viel möglich.

Topskorer Sven Andrighetto

In der vergangenen Saison wurde Markus Granlund der Liga-Topskorer. Der Finne kam in der Regular Season auf 22 Tore und 32 Assists. Diese 54 Punkte reichten zu dieser Ehre – letztmals waren in der Saison 2019/20 weniger nötig gewesen, um sich als bester Skorer der Liga auszeichnen zu lassen. Damals hatte Pius Suter 53 Punkte auf seinem Konto. Der damalige ZSC- und heutige NHL-Stürmer war zudem der letzte Schweizer Topskorer der National League. Nun ist die Zeit eigentlich reif für eine Schweizer Ehrenmeldung. Ein Kandidat ist Lugano-Stürmer Luca Fazzini, der letzte Saison mit 47 Punkten der erfolgreichste Punktesammler mit Schweizer Pass war. Allerdings ist auch fraglich, ob er die dafür nötigen wahrscheinlich mehr als 55 Punkte in den Händen hat. Die Fähigkeiten dazu haben ganz sicher Sven Andrighetto und Denis Malgin. Wenn das ZSC-Atomduo verletzungsfrei bleibt, wird einer der beiden Liga-Topskorer werden. Wieso nicht Sven Andrighetto, der in der Saison 2020/21 auf 55 Punkte gekommen ist?

Hexenmeister Kevin Pasche

Wenn es um den besten Goalie der Liga geht, kommen einem schnell Namen wie Simon Hrubec, Leonardo Genoni, Reto Berra oder auch Stéphane Charlin und Sandro Aeschlimann in den Sinn. Wie wäre es aber mit Kevin Pasche? Der Torhüter des Lausanne HC ist erst 23 Jahre alt, hat aber bereits eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich. Nachdem Connor Hughes an Bern abgegeben wurde, ist er in seinem Team die klare Nummer 1, gleichzeitig kann er auf eine stabile Defensive vor sich bauen. Eine andere Frage ist, ob er bereits ein Meistergoalie sein kann, der in den entscheidenden Big Games die Nerven behält. Hrubec, Genoni und Berra haben dies schon bewiesen, Pasche muss dagegen wohl erst noch ein paar Jahre reifen.

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Kann Trainer Lauri Marjamäki beim EV Zug überzeugen und für Ruhe sorgen?

Marjamäki in der Flugparade top

Die Trainerentlassungen sind vor jeder Saison ein beliebtes Thema für Spekulationen. Wen erwischt es nun in den kommenden Wochen zuerst? Kandidaten sind sicher die Headcoaches von Klubs mit grossen Ambitionen – wenn die Resultate ausbleiben sollten. Besonders gefährdet scheint aber der Finne Lauri Marjamäki. Der EVZ hat ihn beim EHC Kloten aus dem Vertrag ausgekauft, während die Zürcher ihrerseits den beim EVZ gefeuerten Michael Liniger verpflichteten. Speziell und für Marjamäki gefährlich ist, dass er bei den Zentralschweizern von Sportchef Reto Kläy eingestellt wurde, der mittlerweile wie CEO Patrick Lengwiler selber in die Wüste geschickt wurde. 

Das Hire & Fire ist brisant. Wenn Marjamäki mit seinem Team nicht schnell auf Touren kommt, könnte seine Amtszeit beim EVZ sehr schnell zu Ende sein, da er definitiv nicht der Wunschkandidat der aktuellen Führung war. Und dass Geld in Zug keine grosse Rolle spielt, zeigte sich bei der Verpflichtung von Vinzenz Rohrer, der gerüchtehalber rund 700'000 Franken im Jahr kassiert.

Ob Marjamäki schon bald wieder umziehen muss, sich die Fans in der PostFinance Arena wieder über Spitzenhockey freuen dürfen und Sven Andrighetto Lastwagenladungen von Skorerpunkten einfährt, wird sich zeigen. Lasst die Spiele beginnen!

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