Vor der Cup-Pause: Erste Erkenntnisse der jungen SL-Saison
Drei Spieltage ist die neue Spielzeit der Brack Super League erst alt und liefert doch bereits etliche Geschichten. Von perfekt gestarteten Tessinern, zum Beispiel. Von einem Meister im Dauerrotationsmodus oder von zwei Stadtzürcher Grössen, die bislang sportlich abermals zu den Kleinen gehören. Hier aber wollen wir uns heute mit drei weiteren Geschichten befassen, die die laufende Meisterschaft bislang mindestens ebenso stark geprägt haben.
Was, wenn man keine sechs Punkte hätte?
Eigentlich könnte die Atmosphäre im und rund um den FC Basel ziemlich positiv sein. Immerhin haben die Bebbi den Saisonauftakt zumindest punktemässig zufriedenstellend absolviert, stehen nach drei Runde mit sechs Punkten da. Das ist ein Quantensprung im Vergleich zu den mageren 1,06 Zählern, welche der FCB im vergangenen Frühjahr unter Trainer-Neuling Stephan Lichtsteiner in der Super League zu sammeln vermochte. Aber natürlich sind drei Spiele auch eine Sample Size, die noch keine tieferen Rückschlüsse zulässt. Hat sich Rot-Blau unter Lichtsteiner nun endlich stabilisiert oder folgen schon in den kommenden Wochen die nächsten Rückschläge? Der Reaktion Lichtsteiners auf den Sieg gegen Thun nach zu urteilen, scheint man eher Letzteres zu befürchten. Anders ist kaum zu erklären, dass der ehemalige Nati-Captain ausgerechnet den vielleicht besten Moment seiner bisherigen Zeit in Basel auserkor, um zur Medienschelte anzusetzen. Um genau was zu bewirken? Dabei könnten dem gebürtigen Luzerner schon bald grössere Herausforderungen ins Haus stehen, als kritische Journalisten. Sein Handling der Personalie Xherdan Shaqiri dürfte in den kommenden Wochen nämlich in zwei von drei möglichen Szenarien verstärkt in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Dann nämlich, wenn der Basler Unterschiedsspieler unter Lichtsteiner weiterhin nicht auf Touren kommt (zuletzt drei Skorerpunkte in 18 Spielen) oder noch weitere Male auf der Bank Platz nehmen muss. Aber vielleicht besinnt sich «Shaq» ja auch plötzlich wieder seiner grossen Form des meisterlichen Frühjahrs 2025. Dann wären sogar Lichtsteiners Probleme mit den Medienschaffenden plötzlich Schnee von gestern.
Fussball ist ein Fehlerspiel
Zugegeben: Diese Aussage ist weder neu, noch besonders originell. Und trotzdem ist sie – speziell was Torhüter anbelangt – absolut zutreffend. Auf Torhüter wie Luzerns Simon Simoni, zum Beispiel. Im Sommer nach zwei Jahren auf den Ersatzbänken bei Eintracht Frankfurt und Kaiserslautern an den Vierwaldstättersee gewechselt, ist er nun nach gerade mal drei Einsätzen jedem Schweizer Fussballfan ein Begriff. Nicht wegen seiner bereits 16 gehaltenen Torschüsse (Ligabestwert), sondern wegen jener drei Bälle, die er eben nicht festhalten konnte: dem damals noch unglücklichen 1:2 gegen den FC Thun, dem mehr als haltbaren 0:1 gegen den FC Sion und dem absolut katastrophalen 0:1 am Wochenende in St. Gallen. Drei Patzer, die in ihrer Art und Häufigkeit brutal sind und dennoch nur eine Konsequenz haben: Simoni muss sich steigern, und zwar so rasch wie möglich. Denn die Zentralschweizer können es sich nach ihrem Stotterstart (3 Spiele, 1 Punkt) schlicht nicht leisten, weiter Zähler zu verschenken. Dass der Druck dieser Situation dabei schwer auf den Schultern des erst 22-jährigen Keepers lastet, liegt auf der Hand. Und doch verbirgt sich in Simonis missglücktem Schweizer Einstand auch eine grosse Chance. Gelingt es dem angehenden albanischen Nationaltorhüter nämlich, diese Krise zu meistern, kann ihn das mental und für den Rest seiner Karriere weiter bringen, als zehn «weisse Westen» hintereinander. Allerdings muss Simoni den entscheidenden Schritt auf dem Platz alleine meistern – und hat den Turnaround sprichwörtlich in den eigenen Händen.
So kann’s weitergehen
Neben den Sorgen in Basel und Luzern gibt es aber auch eine ganze Reihe von Super-League-Standorten, an denen der Saisonstart fast ausschliesslich in positiver Erinnerung bleiben dürfte. In Lugano (3 Spiele / 9 Punkte), zum Beispiel, wo die neu in der modernen AIL-Arena beheimateten Tessiner einen Traumstart hinlegten – speziell im Vergleich zum Vorjahr. Oder auch in Bern bei YB, dass seine wieder erwachten Ambitionen mit sieben Zählern aus drei Partien bekräftige. Und auch in der Ostschweiz bei Cupsieger und Vizemeister St. Gallen (3 Spiele / 7 Punkte) hat man es zumindest vorderhand geschafft, dort anzusetzen, wo man in der letzten Spielzeit aufgehört hat. Bleiben mit Sion und Basel noch zwei weitere Top-6-Teams der Spielzeit 2025/2026, denen der Start in die neue Saison zumindest resultatmässig geglückt ist (je 6 Punkte). Klar, bedeutet das im Umkehrschluss auch, dass die SL-Tabelle in diesem Jahr unerwartet früh erste Konturen erhalten hat. Solange das aber in einem Szenario gipfelt, in dem am Schluss mindestens zwei oder drei Teams um den Meistertitel kämpfen, wird sich kein Fussball-Fan dagegen wehren. Zumal die nächste unerwartete Krise eines vermeintlich gefestigten Super-Leage-Schnellstarters garantiert schon hinter der nächsten Stadionecke wartet. Für Langweile und Vorhersehbarkeit war die sportlich nicht immer über alle Zweifel erhabene Schweizer Beletage in der jüngeren Vergangenheit jedenfalls nicht bekannt.