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Weltmeisterlicher Taktgeber

Andy

Spaniens Captain Rodri (30) ist der elfte Spieler in der Geschichte, der Weltmeister wurde, die Champions League gewonnen hat und mit dem Ballon d'Or ausgezeichnet wurde. Der Mittelfeldspieler verkörpert den Erfolg, zumal er auch Europameister wurde, mit Manchester City Titel en masse gewonnen hat und an der WM 2026 zum besten Spieler gekürt wurde und den Goldenen Ball erhielt.

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Weltmeister! Spaniens Captain Rodri streckt den Pokal in die Höhe. © AP Photo/Ashley Landis

Der spezielle Titel- und Auszeichnungshattrick ist den weltbesten Stars vorbehalten. Bislang gelang er Bobby Charlton, Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Paolo Rossi, Zinédine Zidane, Rivaldo, Kakà, Ronaldinho, Ousmane Dembélé und Lionel Messi. Und nun kommt also Rodri dazu. Oder Rodrigo Hernández Cascante, wie er mit vollem Namen heisst.

Das Herz und die Lunge

Rodri ist der Mittelfeldstratege der Spanier, das Herz und der Taktgeber des Teams. 799 Pässe hat er während des Turniers gespielt, so viele, wie kein anderer Spieler. Die Nummer 2 war sein Teamkollege Pau Cubarsi mit 690 Pässen. Überzeugend war aber nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität. Die Passgenauigkeit lag bei 93 Prozent – ein starker Wert. Zudem ist der 30-Jährige auch die Lunge der Spanier: 96'233 Meter ist Rodri während des ganzen Turniers gelaufen – er hat damit die grösste Distanz aller Spieler zurückgelegt, vor dem Argentinier Alexis Mac Allister (90'561 Meter).

Rodri verbindet seine Physis (190 cm) mit aussergewöhnlicher Spielintelligenz und Technik. Er spielt schlaue und geniale Pässe, schliesst Lücken und findet auch unter Bedrängnis immer eine Lösung. Auch im WM-Final war das der Fall, bis der Mann mit der Nummer 16 nach 99 Minuten ausgewechselt wurde.

Irgendwie mutet es surreal an, dass Rodri einst im Nachwuchs von Atlético Madrid aufgrund für einen zentralen Mittelfeldspiele mangelnder Grösse und Kraft aussortiert wurde. Doch er machte seinen Weg. Er entwickelte sich bei Villarreal, wurde 2018 von Atlético für eine Ablösesumme von 20 Millionen Euro zurückgeholt und ein Jahr später für 70 Millionen an Manchester City weiterverkauft. Dort sammelte er Lastwagenladungen an Titeln, ebenso mit dem spanischen Nationalteam.

Doch es gab auch einen Rückschlag: Im Herbst 2024 zog er sich einen Kreuzbandriss zu und musste monatelang pausieren. Und auch in der Saison 2025/26 war er wegen einer Oberschenkel- und einer Leistenverletzung zwischenzeitlich zum Zuschauen verdammt. Er meisterte diese Hürden auf dem Weg zur Krönung. Und war nun massgeblich daran beteiligt, dass die Spanier während des ganzen Turniers nur ein Tor kassierten – im Viertelfinal gegen Belgien. Es ist ein Rekord für einen Weltmeister; die Bestmarke hielten bis anhin Frankreich (1998), Italien (2006) und Spanien (2010) mit je zwei Gegentoren.

Denker, Lenker, Stabilisator

Rodri ist kein Mann fürs Spektakel oder die Tore. Aber er ist der Denker und Lenker seines Teams – beim neuen Weltmeister und auch bei Manchester City. Er sorgt dafür, dass seine Mannschaft selten die Kontrolle verliert und ist der Stabilisator im Mittelfeld. Es ist eine Qualität, die ihn auch abseits des Fussballs auszeichnet. Rodri gilt als sehr reflektiert und intelligent. Während seiner Zeit bei Villarreal absolvierte er ein Studium der Betriebswirtschaftslehre – parallel zum Profifussball. Den Abschluss machte er später sogar von Manchester aus fertig.

Privat ist er seit vielen Jahren mit Laura Iglesias zusammen. Die beiden lernten sich an der Universität kennen, als sie Medizin studierte. Wie Rodri selbst, verzichtet auch Laura auf soziale Medien, weshalb nur wenig über sie bekannt ist. Fest steht jedoch, dass sich die beiden während ihres Studiums an der Universitat Jaume I in Castellón im Osten Spaniens kennengelernt haben. «Für mich war das die beste Zeit meines Lebens. Zeit mit jungen Menschen zu verbringen, die genauso waren wie ich. Zu studieren und ab und zu auszugehen. Es war eine grossartige Zeit», sagte Rodri 2022. «Es war lustig, denn ich lernte Laura im Studentenwohnheim kennen, und sie begann damals ebenfalls ein Medizinstudium.» Als seine Karriere Fahrt aufnahm, unterstützte sie ihn. «Eine Frau, die so fleissig studierte und Medizin machte, das hat mir sehr geholfen, den Druck zu bewältigen, dem ich jedes Wochenende ausgesetzt war – in der ersten Liga zu spielen, immer wichtiger zu werden und für Spanien aufzulaufen», sagte Rodri.

Das Ziel, der Beste zu sein

Obwohl er Millionen verdient, gilt Rodri als ausgesprochen bescheiden. Als junger Profi wohnte er weiterhin im Studentenwohnheim und fuhr mit einem einfachen Auto oder sogar mit dem Velo zum Training. Luxus spielte für ihn lange kaum eine Rolle. Sein Motto beschrieb er mal folgendermassen: «Ich will der Beste sein – das ist jeden Tag meine Pflicht.» Diesen Worten hat der Spanier auch an der WM Taten folgen lassen und sich in der Hierarchie der weltbesten Fussballer weiter nach oben gespielt.

Seine Leistungen wecken natürlich auch Begehrlichkeiten. Rodri steht bei Manchester City bis 2027 unter Vertrag und so könnten die Engländer noch eine hohe Ablösesumme erzielen, ehe der Mittelfeldstratege im Sommer 2027 ablösefrei wird. Nach sieben erfolgreichen Jahren auf der Insel könnte eine Luftveränderung anstehen, gemäss «RadioMARCA» und «The Athletic» reizt ihn ein Transfer zu Real Madrid, wo unter José Mourinho ein Neuaufbau ansteht. Allerdings wird gemunkelt, dass die Königlichen nicht die Absicht haben, den frisch gebackenen Weltmeister zu verpflichten. Doch mit dem Abschluss der WM wird es in der Gerüchteküche in den kommenden Tagen heftig brodeln.

 

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